Soll man Angst vor Inflation oder Deflation haben?

Einfachste und schnellste Antwort:

Sie sollen überhaupt keine Angst haben! Denn Angst lähmt und ist nie ein guter Ratgeber 🙂

Aber die Frage bezüglich Inflation oder Deflation lässt sich nicht so schnell beantworten.

Kurz die Definition beider Begriffe:

Inflation= Güterpreise steigen und die Kaufkraft des Geldes sinkt. Grundsätzlich gut für die Wirtschaft, denn die Menschen konsumieren und investieren. Der „Schmierstoff“ Geld fließt also.

Deflation= Güterpreise fallen und die Kaufkraft des Geldes steigt. Grundsätzlich sehr schlecht für die Wirtschaft, denn Geld wird gehortet und nicht mehr investiert. Geld fließt nicht mehr, sondern „verstopft“ den Wirtschaftskreislauf.

Am kommenden Donnerstag (22.01.2015) wird die EZB über die weitere Geld- und Zinspolitik beraten.

Ein Thema wird der groß angelegte Ankauf von Anleihen hoch verschuldeter Euro-Staaten sein.

Die Geldpolitik der EZB entwickelt sich dabei zunehmend weg von der stabilitätsorientierten Geldpolitik der damaligen Bundesbank.

Generell gesprochen passt sie sich der amerikanischen Notenbankpolitik an.

Global steigen die Schulden der Staaten und der Zentralbanken kontinuierlich.

Auch die Verschuldung der Länder in der Eurozone wächst unaufhörlich, so wie die Verschuldung in den USA und in vielen anderen Ländern der Welt.

Quelle: statista

Was dabei allerdings oft vergessen wird:

Dem Schuldner steht immer auch ein Gläubiger gegenüber.

Daher steigt mit der Verschuldung der Staaten und Zentralbanken das Geldvolumen innerhalb des Wirtschaftssystems. Über die Verteilung dieses Volumens kann man dabei natürlich trefflich streiten.

Jedenfalls wächst das Geldguthaben, bzw. die Geldmenge genau so stark, wie die Schulden.

Sinkende Inflationsraten oder sogar die Furcht vor Deflation täuschen uns über diese Tatsache hinweg.

Die Überschuldungsproblematik der Staatsfinanzen wird langfristig nur über steigende Inflationsraten gelöst werden.

Ein berühmter Ökonom hat die Entwicklung und den Verlauf unserer derzeitigen Geldpolitik schon sehr früh erkannt.

Es handelt sich um Richard Cantillon, der bereits im Jahre 1730 folgenden Prozess beschrieb:

Stufe 1: Die Notenbank sorgt für höhere Inflationsraten durch eine Ausweitung der Geldmenge.

Stufe 2: Die Geldentwertung wird langsam und nur für einzelne Güter sichtbar. In dieser Phase profitieren die Anleger aber noch von nominalen Gewinnen (steigende Aktienmärkte, steigende Immobilienpreise). Die Bürger vertrauen darauf, dass die Notenbank die Situation unter Kontrolle behält.

Stufe 3: Die Inflation gewinnt an Fahrt und das Geld verliert deutlich an Wert (Kaufkraft). Nur wer bereits „reale“ Werte besitzt, bleibt verschont.

Stufe 4: Hier kann es unterschiedliche Verläufe geben. Entweder kommt es zur Hyperinflation, in der das Geld völlig entwertet wird oder es kommt zu sonstigen drastischen Eingriffen der Zentralbank durch extrem hohe Zinsen.

Offensichtlich befinden wir uns in dieser Theorie noch in Phase 1, da bisher nur die Basis höherer Inflationsraten gelegt wurde.

Denn die offiziellen Inflationsraten der Eurozone sind derzeit noch im Rückwärtsgang:

Daher geht in den Medien nun eher die Angst vor Deflation um. Die Angst vor fallenden Preisen. In diesem Umfeld investiert man kein Kapital mehr. Die Marktteilnehmer schieben Investitionen auf, da die Preise fallen werden.

Daher auch die Bereitschaft der EZB immer mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf zu geben. Dadurch will man die Konsumbereitschaft hoch halten und die Preise zum Steigen bringen, um so ein Absturz in die Deflation zu verhindern.

Allerdings wächst die Geldmenge in der Eurozone derzeit wesentlich schneller als die Gütermenge. Das dürfte langfristig keineswegs zur Deflation führen.

Die sinkende Inflationsrate dürfte vielmehr auf die sinkenden Verbraucherpreise zurück zu führen sein. In der nächsten Zeit wird die Inflationsrate daher auch niedrig bleiben.

Bei der verfolgten Zins- und Geldpolitik der EZB allerdings wird dies nicht so bleiben!

Die langfristigen Folgen dieser Politik:

Hohe Inflationsraten und ein stark fallender Euro.

Den fallenden Euro haben wir bereits und die EZB beginnt jetzt erst mit ihrer expansiven Geldpolitik nach dem Vorbild der amerikanischen FED.

Berücksichtigen Sie dies unbedingt in Ihrer Anlagestrategie.

Es ist kein Grund in Panik zu verfallen, allerdings sollten Sie auch nicht abwarten, sondern sich aktiv vorbereiten und positionieren.

Hierbei möglichst nicht den täglichen „Main Stream“ in den Medien folgen, sondern sich eine eigene Meinung bilden.

Machen Sie sich folgende Tatsachen bewusst:

Die aktuelle Geldmenge ist weltweit so stark angewachsen, dass man damit alle Besitztümer der Erde mehrfach kaufen könnte.

Und Die Verschuldung der Staaten und Zentralbanken ist extrem hoch und weiterhin kontinuierlich am wachsen.

Beides spricht gegen steigende Zinsen und dauerhaft niedriger Inflation. Die Zentralbanken dieser Welt arbeiten mittlerweile vernetzt zusammen und verfolgen einen langfristigen Plan, in dem einige verlieren und andere gewinnen werden.