Ökologisch und nachhaltig? Das ist gar nicht so leicht!

Immer mehr Menschen möchten nicht nur einfach Geld anlegen, sondern mit dem Geld auch sinnvolle Projekte unterstützen.

Geld ist wie Energie, denn es kann Dinge entstehen lassen, Veränderungen bewirken und weitreichende Verbesserungen für alle erwirken.

Das haben die Fondsgesellschaften auch erkannt, doch es stellt sich die Frage, ob man wirklich konsequent dabei ist.

Der Anleger, der sich bewusst einen Fonds mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ aussucht, dem ist es mit dem Thema sehr ernst.

Ebenso legen Stiftungen, Kirchen, Pensionskassen oder Wohltätigkeitsorganisationen viel Wert auf diese Ausrichtung.

Dabei reicht es nicht das Etikett „Nachhaltigkeit“ auf die Verpackung zu kleben und Hochglanzbroschüren zu drucken, in denen man hochtrabend das Thema „Nachhaltigkeit“ betont.

Der „Gummibegriff“ Nachhaltigkeit ist dabei sehr ungenau. Gemeint ist hier genauer die ökologische Nachhaltigkeit.

Der Verdacht liegt also nahe, dass dieses Thema nicht immer so ernsthaft behandelt wird und daher schaue ich mir Fonds der drei großen Bankengruppen näher an.

Es handelt sich um Fonds der Union Investment (Volksbanken), der DEKA Investment (Sparkassen) und der DWS Investment (Deutsche Bank).

Und ergänzend stelle ich einen Fonds vor, der im Bankenvertrieb eher weniger vorkommt, der mich aber überrascht hat.

Fonds für Nachhaltigkeit der Volksbanken / Union Investment:

Was bedeutet Nachhaltigkeit für die Union Investment (Quelle Verkaufsprospekt Stand September 2012):

„Die Unternehmen und Länder, deren Wertpapiere im UniRak Nachhaltig A enthalten sind, hat Union Investment auf Herz und Nieren geprüft. Es werden für den Fonds nur solche ausgewählt, die nachhaltig wirtschaften bzw. Nachhaltigkeit zum Geschäftsinhalt haben.“

Dieses Kriterium ist natürlich dermaßen wage, dass man es auf fast alle Unternehmen anwenden könnte.

Oder kennen Sie ein Unternehmen, welches nicht zumindest den Wunsch hat nachhaltig zu wirtschaften?

Selbst eine Giftgasfabrik möchte nachhaltig wirtschaften, da man ja nachhaltig Profit machen will, um am Markt zu bleiben.

Weiter im Prospekt:

„Die ausgewählten Unternehmen sollen ökonomischen Erfolg mit ökologischer Verträglichkeit und sozialer Fairness verbinden.

Die im Anleihe-Teil vertretenen Länder werden anhand von Nachhaltigkeitskriterien wie Umweltschutz, Rechtsstaatlichkeit oder der Bekämpfung von Armut und Korruption ausgewählt.“

Welche Länder würde man unter diesen sehr allgemein gehaltenen Kriterien eigentlich ausschließen? Möglicherweise Afghanistan und Nordkorea? Die Länder, die man unter diesen Bedingungen ausschließt, sind sicherlich zu verschmerzen.

Schaut man sich die Einzelpositionen in dem Fonds an, dann wundert man sich schon, wie es zu diesen Unternehmen gekommen ist. Warum ist Adidas am stärksten gewichtet? Ist Ihnen jemals Adidas als besonders nachhaltiges Unternehmen aufgefallen?

Aber auch Ölfirmen, wie Occidental Petroleum oder Chemiegiganten, wie Roche sind im Fonds beigemischt (siehe Jahresbericht 2014).

Fazit: Für mich eine klare Mogelpackung, da die Auswahlkriterien offensichtlich zu viel Spielraum lassen.

Fonds für Nachhaltigkeit der Sparkassen / DEKA Investment:

Was bedeutet Nachhaltigkeit für die DEKA (Quelle aktuelles Factsheet, Stand Dezember 2014):

Ziel der Anlagepolitik ist es, durch die Nutzung von Chancen und die Vermeidung von Risiken, die sich aus ökonomischen, ökologischen und sozialen Entwicklungen ergeben, ein mittel- bis langfristiges Kapitalwachstum zu erwirtschaften.“

Man will also Chancen nutzen und dabei Risiken aller Art vermeiden. Ich könnte mir vorstellen, dass dies auf viele weitere Fonds zutreffen könnte.

Aber jetzt wird es endlich konkreter:

„Der Investmentfonds investiert nur in Wertpapiere, die nach Grundsätzen der Nachhaltigkeit ausgewählt werden. Dazu werden die Aktien weltweit nach Kriterien für Umweltmanagement, soziale Verantwortung und Unternehmensführung bewertet und im Ergebnis entweder in das investierbare Universum aufgenommen oder aus diesem ausgeschlossen.“

Ok, es fallen Begriffe, wie Umweltmanagement, soziale Verantwortung und Unternehmensführung. Diese sind allesamt herrlich unkonkrete „Wischi-Waschi“ Begriffe.

Man ahnt schon, wie sich dies bei der Einzeltitelselektion auswirken wird, die man ins „Universum“ aufnehmen will.

Die am stärksten gewichtete Branche in dem Fonds macht ebenso eher skeptisch, denn die Finanzbranche (Gewichtung 23,5%) ist in der Vergangenheit eher weniger als typisch nachhaltige Branche aufgefallen.

Sogar Goldman Sachs finden wir in der Einzeltitel Auflistung.

Gas, Öl, Chemie, Bergbau, … es fehlt fast keine Branche. Anhand der Einzeltitel im Fonds käme man wohl nie auf die Idee, dass es sich um einen Nachhaltigkeitsfonds handelt.

Fazit: Tut mir Leid, auch hier wieder klar durchgefallen. Der Fonds nimmt meiner Meinung nach sogar noch weniger Rücksicht auf seinen Stempel
„Nachhaltigkeit“.

Fonds für Nachhaltigkeit der Deutschen Bank / DWS Investment:

Was bedeutet Nachhaltigkeit für die DWS (Quelle aktuelles Factsheet, Stand Dezember 2014):

„Das Sondermögen investiert schwerpunktmäßig in Gesellschaften, die sich durch nachhaltiges Wirtschaften und dem effizienten Einsatz von Ressourcen auszeichnen und damit die Voraussetzungen für einen langfristigen Unternehmenserfolg schaffen.“

Im Prinzip wiederholt sich hier das gleich Spiel. Die Begrifflichkeiten sind so unscharf und allgemein, dass es auch hier kaum zu Einschränkungen kommen kann.

Es sind doch wohl Grundvoraussetzungen für ein Unternehmen nachhaltig zu wirtschaften. Genauso wie effizientes handeln oder Ressourcen effizient einzusetzen. Dafür sorgt allein das Profitdenken.

Wenn die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund steht, dann können ökologische Überlegungen gerne mal vergessen werden.

Dieser Fonds investiert größtenteils in Anleihen (ca. 65% der Anteile), ist also eher konservativ aufgestellt.

Im Bereich der Anleihen findet man zahlreiche Bankanleihen (z. B. Unicredit, Société Générale, UBS, BNP Paribas, …).

Auch der Blick auf die Einzelaktien zeigt keine klar definierte nachhaltig ökologische Struktur des Fonds.

Außer dem Titel Weyerhaeuser, ein kanadisches Forstwirtschaftunternehmen, fällt mir innerhalb der Top-Gewichtungen kein Unternehmen auf, das ich mit besonderer Öko-Nachhaltigkeit verknüpfen würde.

Fazit: Auch dieser Fonds ist eine Enttäuschung, den er hält nicht was er verspricht. Die schlechtere Performance im Vergleich zu den anderen liegt an der stärkeren Anleihen-Gewichtung.

Über den normalen Bankenvertrieb kommen wir so also nicht wirklich weiter.

Das Fondshaus Ökoworld meint es aber möglicherweise ernster, denn die gesamte Fondsgesellschaft hat sich auf dieses Thema spezialisiert.

Ich schaue mir also den Fonds „Ökovision Classic“ etwas näher an.

Es fällt sofort auf, dass die Top-Holdings teilweise weniger bekannte Unternehmen sind. Offensichtlich hat man sich hier intensivere Gedanken in der Titelauswahl gemacht.

Bei der Überprüfung von einzelnen Werten stelle ich fest, dass die Unternehmen eine tatsächlich sehr vordergründig nachhaltige ökologische Ausrichtung haben.

Auch die Branchengewichtung spricht hier für mehr Glaubwürdigkeit. Die Finanzbranche ist beispielsweise nur mit 6,55% gewichtet.

Die Stärkste Branche ist aus dem Bereich Gesundheit gefolgt von nachhaltiger Mobilität und Transport.

Auch bei der Durchsicht der Einzeltitel fallen mir keine einzelnen Titel auf, die mit dem Ökologie und Nachhaltigkeit extrem wenig zu tun haben.

Erdölfirmen sind für die Gesellschaft generell ausgeschlossen.

Kurzum: Der Fonds hat mich neugierig gemacht und ich werde mir weitere Unterlagen zukommen lassen.

Denn wenn man schon mit einem guten Gewissen investieren möchte, dann sollte man sich die Mühe machen und wissen was in der Verpackung drin steckt.

Fazit: Wenn wir jetzt alle 4 vorgestellten Fonds vergleichen, dann kommen wir zu einem erstaunlichen Ergebnis.

Der Fonds, der es mit der Nachhaltigkeit und der Ökologie am ernsthaftesten meint, schneidet auch im Renditebereich am besten ab, zumindest im längerfristigen 3-Jahres und 5-Jahresbereich:

Quelle: www.fondsweb.de

Er hat zwar auch die höchsten Vertriebskosten, doch diese kann Ihnen ein Honorarberater wie gewohnt ersparen 🙂

Wenn Ökologie, dann aber richtig. Und das Beste, es lohnt sich unter wirtschaftlichen Aspekten!

Die großen Fondsgesellschaften meines es eindeutig (noch) nicht ernst genug, so sollte man auf die Marktteilnehmer zurück greifen, die zwar weniger im Mittelpunkt stehen, sich dafür aber ernsthaft und gewissenhaft bei der Selektion ökologischer und nachhaltiger Kriterien verhalten.