Tobias Geyer von Öko World im Experten-Talk

Im Juni ergab sich für die Möglichkeit mit dem Experten Tobias Geyer von der Fondsgesellschaft Ökoworld ein Interview zu führen.

Die Fondsgesellschaft Ökoworld legt in ihren Fonds großen Wert auf die Einhaltung von ökologischen, sozialen und ethischen Anlagekriterien und setzt dies auch äußerst konsequent um.

Die Besonderheit: Ein unabhängiger Anlageausschuss fungiert dort beispielsweise als Kontrollorgan, damit der Zweck dieser Fonds auch dauerhaft eingehalten wird. In diesem Anlageausschuss sitzen Vertreter von Umwelt-, Menschenrechts- und Verbraucherschutzorganisationen, sowie Experten für umwelt- und sozialverträgliches Wirtschaften.

Die Teilnehmer dieses Ausschusses sind namentlich bekannt und bürgen daher in gewisser Weise mit ihrem „guten Namen“ für die dauerhafte Einhaltung dieser Kriterien. Keine Investition wird ohne die Zustimmung dieses Ausschusses getätigt.

Ein genauerer Blick in die Fonds von Ökoworld macht auch relativ schnell klar, dass es sich hier nicht nur um ein „Marketing-Gag“ handelt, sondern dass eine glaubwürdige Vorgehensweise dahintersteckt. Siehe auch mein Blogbeitrag zu diesem Thema: „Fonds mit Nachhaltigkeit…eine gute Idee mit Rendite!“

Tobias Geyer gehört zum Portfolio Management Team der Fondsgesellschaft Ökoworld aus Luxembourg und war dort maßgeblich an der Entwicklung und Betreuung des Fonds „Ökoworld: Growing Markets“ beteiligt.

Der „Ökoworld Growing Markets“ ist ein aktiv gemanagter Fonds mit ethischen und ökologischen Grundsätzen, der darüberhinaus eine überzeugende Wertentwicklung nachgewiesen hat. Sein Investitionsschwerpunkt liegt in Schwellenländern.

Ein vergleichbarer Index wäre hier also der MSCI Emerging Markets Index:

Wie man sieht schlägt der Fonds die zugrundeliegende Benchmark und hat sich daher seine höheren Gebühren im Vergleich zum ETF „verdient“.

Ich habe mich sehr gefreut über das nun folgende Interview:

Wie ist Ihre Meinung zu Investitionen in passive Indexfonds (ETF)?

Für Privatanleger sind diese durchaus geeignet, denn man erhält auf sehr einfache Art und Weise eine gute Abdeckung des Marktes. Auch von den Kosten her spricht vieles für die ETF, zumal 80% der aktiven Fonds schlechter als der Index sind oder zumindest diesen nicht schlagen können.

Der Privatkunde ist in der Regel nicht in der Lage, diese 20% besseren Fonds zu selektieren.

Ein Profi allerdings kann hier unterscheiden zwischen Qualität und Kostenvorteil.

Der Kunde ohne entsprechende Beratung sollte also eher breite Indizes, wie den MSCI kaufen.

Die Fonds der Ökoworld gehören regelmäßig zu den Produkten die ihre Benchmark übertreffen und bieten dem informierten Anleger daher Vorteile gegenüber passiven Produkten wie ETF´s.

Gibt es Märkte, in denen ETF womöglich weniger gut geeignet sind?

Entwickelte Märkte (z. B. USA, Europa) eignen sich für ETF-Investments generell besser.

In Schwellenländern sind die aktiven Produkte allerdings oft die bessere Wahl.

Außerdem sind Spezial-Themen mit ETF, wie z. B. die Ökologie, schwer abzubilden, da es oft nicht den richtigen Index gibt oder der Index nicht so gut geeignet ist.

Nehmen wir als Beispiel den indischen Markt:

Der große Nachteile im Falle eines ETF: Man kauft alle großen Banken, Telekommunikationsunternehmen, Öl- und Gasunternehmen überproportional ein.

Diese haben in Entwicklungsländern traditionell eine hohe Marktkapitalisierung.

Wachstumstitel bleiben dabei überwiegend auf der Strecke, wie z. B. Treehouse – ein Kindergarten in Indien. Klein aber mit hohem Wachstum. Dieses interessante Unternehmen würde beispielsweise in indischen ETF keine Rolle spielen.

Privatanleger aus Deutschland können diese Werte übrigens nicht selbst kaufen, sondern müssen sich über einen Fonds dort beteiligen.

Würden Sie derzeit in den Aktienmarkt einsteigen?

Ja, denn es gibt immer Chancen. Wenn die Frage konkreter gestellt wird und sich auf den DAX bezieht, dann sieht es wieder anders aus.

Es gibt jeden Tag hunderte Möglichkeiten an der Börse, aber man muss sich entsprechend auskennen.

Die Frage ist also generell zu ungenau, man muss nämlich streng unterscheiden.

Wo sehen Sie in den nächsten Jahren die größten Chancen?

Ich sehe in vielen Bereichen eher Seitwärtsentwicklungen.

Timing und Auswahl sind entscheidend in den nächsten Jahren. Das Chance/Risiko Verhältnis ist ausgeglichen.

Glauben Sie an die Abschaffung von Bargeld?

Nein! Online Shopping sollte auch jahrelang die traditionellen Kaufhäuser ablösen. Dies ist aber bis zum heutigen Tage nicht passiert.

Der Bargeldlose Zahlungsverkehr wird allerdings zunehmen. Aber Bargeld ganz verschwinden? Nein!

Warum sollten Anleger auf ethisch und ökologische Werte setzen?

Wenn man einen bewussten Lebensstil hat und auf gesunde Ernährung, Klimawandel, Konsumverhalten und Umweltschutz achtet, dann sollte man auch in finanziellen Dingen konsequent bleiben.

Die Frage „Was bewirke ich mit meinem Geld?“ ist äußerst wichtig. Es macht einen großen Unterschied, wie man sein Geld investiert.

5000 € investiert in RWE ist tendenziell etwas anderes, als 5000 € investiert in Solar- oder Windkraftbauer.

Warum ist das so schwer?

Es gibt schon einige Produkte zur Auswahl am Markt. Aber außer Ökoworld gibt es derzeit kein Unternehmen, das es in dieser Konsequenz umsetzt.

Ökologisch nachhaltig zu Investieren ist eben auch keine einfache Sache. Es gibt in diversen Branchen wenig Auswahl. Man muss generell mehr in die Nische gehen, z. B. im Bereich Dämmmaterial oder Bildung.

Sich die Unternehmen im Einzelnen und in dieser Genauigkeit anzusehen, diese Arbeit macht sich fast keiner, denn diese hohe Detailbetrachtung ist schwierig und aufwändig.

Man muss ganz ehrlich auch sagen, dass viele Fondsgesellschaften sich die Arbeit nicht machen, aufgrund der Tatsache, dass viele Durchschnittskunden es noch nicht zu schätzen wissen oder sich nicht die Mühe machen, sich ihre Investments genauer anzusehen.

Aber: Nur das Gewissen beruhigen darf nicht ausreichen. Die Anleger von Ökoworld meinen es generell ernst und wollen trotzdem eine gute Rendite. Die Glaubwürdigkeit von Ökoword ist deren wichtigstes Asset.

Wie informieren Sie sich über den Markt?

Ich arbeite mit einem speziellen „Bloomberg Terminal“, eine spezielle Software für Kapitalmarktprofis.

Hiermit erhalte ich sehr schnell die wichtigsten Informationen.

Gerne lese ich darin auch Analystenreports über diverse Unternehmen und erhalte so sehr detaillierte Informationen. Diese generell schwer verfügbaren Informationen weiß ich sehr zu schätzen.

Wie sehen Sie die Finanzbildung in Deutschland?

Extrem schwach ausgeprägt. Die Menschen erscheinen mir äußerst schlecht informiert und verschenken dadurch wahnsinnig viel Geld.

Auch mit wenig Risiko, kann man mehr mit seinem Geld machen, als es der überwiegende Teil der Bevölkerung bislang tut.

Generell ist die Finanzwelt sehr komplex und ich bin der Meinung, dass die Beratung durch einen Experten unabdingbar ist.

Der ideale Berater sollte als „Relationship Manager“ fungieren, der mit entsprechenden Profis zusammenarbeitet. Tiefgehende Expertise ist in vielen Bereichen notwendig.

Man kann den Vermögensaufbau mit einem Hausbau vergleichen. Hier plant ja auch der Architekt und die jeweiligen Profis setzen es in die Tat um. Dieser Architekten werden teuer bezahlt, da sie ja auch eine sehr wichtige Sache planen müssen.

Wenn die Statik oder sonstiges am Haus nicht korrekt ist, kann man es abreißen. Falsche Statik im Finanzbereich kann ebenso zu großen Schäden führen. (Der Schaden sieht man nicht, aber der Verlust macht es deutlich.)
Allerdings ist dies den meisten Menschen nicht bewusst.

Wenn mein Anlagekapitel von 100.000 € über 10 Jahre 2,5% Rendite abwirft oder durch gute Produktberatung durchschnittlich 5% erwirtschaften kann, macht das über den Zeitraum mehr als 30.000 € Unterschied aus! Lohnt sich da nicht eine professionelle Beratung?

Ein guter Finanzberater ist daher wie ein Architekt. Wer einmal den richtigen Berater gefunden hat, wird diesen wohl nie wieder verlassen.

Nicht auszuschließen ist allerdings, ob mangelnde Bildung von der Regierung vielleicht sogar so gewollt ist.

Was halten Sie von Wertpapierleihe in Fonds?

Finde ich nicht gut und ist nicht zugunsten der Privatanleger.

Ökoworld betreibt keine Wertpapierleihe. Diese erhöht Volatilität der Märkte. Der Leihende nutzt in der Regel die Papiere um Kurse zu bewegen.

Der Anleger selbst kann nicht herausfinden, ob sein Fonds diese Geschäfte betreibt.

Was halten Sie vom Fonds des bekannten Börsen- Experten Dirk Müller?

Der hat eigentlich keine Ahnung vom Fonds managen. Er ist Händler, Fonds auflegen und verwalten ist eigentlich nicht dessen Kernkompetenz. Er profitiert von seiner Popularität die er durch seine starke Medienpräsenz aufgebaut hat.

Die Menschen denken er sei kompetent, ist er aber nicht.

Man sollte sich von dieser Marketingstrategie und ähnlichen plakativen Geschichten nicht beeinflussen lassen. Echte Beratung wäre wichtiger.

Zum Ende: Was ist das wichtigste bei der Aktienanlage?

Know-How und Geduld

Vielen Dank für das Gespräch und die offenen Worte!